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Im Labyrinth verlierst du dich nicht.
Im Labyrinth findest du dich.
Im Labyrinth begegnest du dir selbst.

nach H. Kern



Erfahrungsberichte

Junggesellenabschied am Labyrinthplatz

Hagen, 30, engagiert in Männerarbeit, feierte im Juni 2009 seinen Junggesellenabschied am Labyrinthplatz

Der Labyrinthplatz ist für mich ein ganz besonderer Ort. Bereits im Jahr 2004 führten wir dort einen Junggesellenabschied durch. Rituell banden wir das Labyrinth ein, um dem damaligen Bräutigam ein Geschenk mit auf dem Weg in die Ehe zu geben. Anschließend grillten wir und saßen bei kühlem Bier die ganze Nacht zusammen am Lagerfeuer. Es war ein würdiger Junggesellenabschied, an den ich gerne zurück denke.

Am 08. August dieses Jahres stand meine Hochzeit an. Von Anfang an taten die Organisatoren meines Junggesellenabschiedes alles, um meine Vorfreude möglichst klein zu halten. So wurde mir zum Beispiel im Vorfeld schon mitgeteilt, wann der Junggesellenabschied stattfinden soll: Nämlich am 11.07.2009.

Am 27. Juni war ich beim Sport, als plötzlich die Tür zum Trainingsraum aufging und der Bräutigam von 2004 mit einem breiten Grinsen im Gesicht eintrat. Als gleich nach ihm ein Arbeitskollege von mir den Trainingsraum betrat, war meine Verwirrung komplett. Erst als ein langjähriger Freund aus Süddeutschland und mein Vater ebenfalls hereinkamen, dämmerte es mir langsam: Heute ist mein Junggesellenabschied! Was für eine Überraschung. Hastig wurde ich unter die Dusche geschoben. Alles, was ich für eine Nacht Junggesellenabschied brauchte, hatte meine Verlobte bereits heimlich hinter meinem Rücken für mich gepackt. Nach der Dusche traf ich auf einen weiteren Teil der Meute, die mich in Empfang nahm. Auf ging’s. Wohin es gehen könnte, dämmerte mir erst mit zunehmender Fahrtdauer. Aber schlussendlich sicher war ich mir erst, als wir durch Eutin fuhren. Nach einigen Umwegen kamen wir schließlich an: am Labyrinthplatz. Auf dem Gelände verfiel alles erst einmal in geschäftiges Treiben: So wurde Brennholz gesammelt, klein gehackt und ein Lagerfeuer entzündet. Parallel wurde eine Jurte errichtet. Im Lagerfeuer wurden Feldsteine erhitzt. Ein anderer Teil der Leute spielte Fußball. Schließlich stand die Jurte. In der Jurte wurde ebenfalls eine Feuerstelle ausgehoben. Fertig war sie: Unsere Schwitzhütte mitten in der Natur! Der weitere Ablauf sollte so sein, dass wir eine Art Schwitzhüttenritual durchführen. Ähnlich wie vor einem Saunagang zogen wir uns komplett aus und begaben uns mit 15 Männern in die Schwitzhütte. Von draußen wurde die erste Ladung glühend heißer Feldsteine in die Feuerstelle der Jurte gelegt. Die Jurte wurde verschlossen. Anschließend wurde Wasser über die glühenden Steine geschöpft. Mehrere Minuten verharrten wir schweigend im aufsteigenden Wasserdampf. Schließlich nannte jeder Eigenschaften von mir, die er an mir schätzt. Jeder Mann sprach ein paar Worte in die Dunkelheit. Worte, die mich berührten und die die Wertschätzung und die Anteilnahme meiner Freunde zum Ausdruck brachten. Wieder verharrten wir einige Minuten schweigend.

Schließlich wurde die zweite Ladung glühender Feldsteine herein gereicht. Jetzt wurde an Anlehnung an indianische Reinigungsrituale Wasser mit einer Kräutermischung auf die Steine geschöpft. Wieder verharrten wir einige Minuten schweigend. Schließlich nannte jeder Mann Segenswünsche, die er meiner Verlobten und mir mit in die Ehe geben möchte. Auch dies hat mich persönlich tief berührt. Wieder verharrten wir noch einmal ein paar Minuten. Anschließend folgte der letzte Durchgang komplett schweigend. Als das Ritual beendet worden war, saß ich noch eine ganze Weile mit zwei Freunden in der Jurte und reflektierte das soeben erlebte. Als ich die Jurte verlassen und mich wieder angezogen hatte, waren die Grills bereits angeschmissen worden. Es gab leckere und riesengroße, selbst marinierte Steaks, Bratwürstchen und Salate. Die ganze Nacht über saßen wir bei gekühltem Bier, dem einen oder anderen edlen Whiskey und wohl schmeckenden Zigarren am Lagerfeuer zusammen. Über die Nacht verteilt wurde ich von den einzelnen immer mal wieder bei Seite genommen und bekam ein kleines, persönliches Geschenk überreicht. Als wir am nächsten Morgen unsere Zelte abbrachen und wieder abreisten, hatte ich auf dem Labyrinthplatz wieder einen ganz besonderen Tag, eine ganz besondere Nacht erlebt.

In den Gesprächen während des Junggesellenabschiedes, aber auch die Tage danach habe ich immer wieder gehört, dass dies nicht nur für mich, sondern auch für die anderen ein besonderes Erlebnis war. Ganz besonders für die Männer, die in ihrem Alltag nichts mit spirituellen Männerthemen zu tun haben; die Junggesellenabschiede ausschließlich als Saufgelage gekannt hatten Sie alle sind, trotz manch mulmigem Gefühls vorher, mit in die Schwitzhütte gegangen und haben an dem Ritual teilgenommen. Und auch der Labyrinthplatz hat eine Wirkung auf sie gehabt. Sind viele am Anfang noch achtlos über den Platz und das Labyrinth gelaufen, hat es am Ende doch einige gegeben, die das Labyrinth für sich gegangen sind. So ist dieser Ort für manche ein (neuer) Berührungspunkt mit Spiritualität, mit inneren Dingen geworden. Mit heiligen Dingen, auch wenn sie dies Wort nicht benutzen würden. Auf eine Weise ist der Labyrinthplatz ein heiliger Ort.

Hagen H. 




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