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Im Labyrinth verlierst du dich nicht.
Im Labyrinth findest du dich.
Im Labyrinth begegnest du dir selbst.

nach H. Kern



Erfahrungsberichte

Lieber David, lieber Matthias,

Brief eines Vaters

... nun ist unser Labyrinth fertig. Hell leuchten die großen Feldsteine auf dem satten Grün der verwunschenen Wiese am Waldrand. Aber wie kann ich euch erzählen, berichten, was es mit diesem uralten Symbol auf sich hat? Sicher habt ihr wie ich erst einmal ungläubig die Stirn gerunzelt. Deshalb ein paar Gedanken, Erfahrungen, die ich inzwischen machen konnte. Je näher ich mich mit diesem uralten Symbol beschäftige, um so mehr Bezüge zu meinem Leben finde ich. Vielleicht geht es euch auch so.

Vor mir liegen die großen Stein-Kreise; in ihrer Gleichmäßigkeit üben sie fast eine magische Kraft aus. Sie markieren einen Weg, der einlädt, ihn zu gehen. Er führt nicht ins Leere, in Sackgassen, wie ihr sie vielleicht von Irrgärten kenne. Einen Weg zu gehen, heißt ein Ziel zu haben, einem Impuls zu folgen - bis zur Mitte, ins Zentrum. "Ein Weg - den ich gehe, Schritt für Schritt" - mit diesem Gedanken beginnt mein Weg, manches lasse ich zurück. Ich versuche offen zu sein für Neues, für Wünsche, für ein Ziel, das meinem Leben Richtung gibt.

Der breite Eingang lädt ein aufzubrechen... man könnte meinen, der Weg in die Mitte wird schnell, leicht zu bewältigen sein... doch schon bald, vielleicht ahnt ihr es, ändert sich die Richtung radikal und das noch mehrmals, notwendige Umwege. Plötzlich nähert sich der Weg der Mitte; das Ziel ist zum Greifen nah. Aber die nächste Windung lässt mich wieder entfernen...

"Macher" haben es schwer, den direkten Weg, komme was da wolle, gibt es nicht. Ich frage mich: will ich mich leiten lassen im Vertrauen, dass die Zeit kommt, das Erwartete als Geschenk anzunehmen? Will ich akzeptieren, dass Dinge mich hindern, blockieren, abbringen? Dauerhaft das Ziel im Blick zu behalten und gleichzeitig den Weg zu gehen, im Labyrinth wie auch im Leben will das nicht gelingen. So manches Mal werde ich gezwungen, anderes in den Blick zu nehmen... Aber es gibt auch Hilfen: so wie die grauen Steine mich führen, Orientierung geben, gibt es auch in meinem Leben Bojen, die für den richtigen Kurs sorgen.

Dann die Überraschung, fast unerwartet plötzlich bin ich angekommen. Um mich herum die Steinkreise, denen ich gefolgt bin... viel Zeit der Muße und Besinnung bleibt nicht, auch der Weg zurück will gegangen sein... Mir fällt die neu-testamentliche Erzählung vom Berg Tabor ein: Die göttliche Begegnung genießen, Hütten bauen, einfach dort bleiben, wo es schön ist, wollen die Jünger - aber Jesus drängt zum Abstieg...der spirituellen Hinreise folgt die Rückreise. Dorothee Sölle hat sie eindrucksvoll in ihren Büchern beschrieben.

Schnell, sehr schnell entfernt sich der Weg nun von der Mitte... vielleicht im Glauben, "alles" erreicht, bekommen zu haben... Doch noch einmal lässt sich die Nähe der Mitte spüren... war da vielleicht noch etwas "Unerledigtes", hat sich vielleicht etwas verwandelt, ist die Sehnsucht noch dieselbe? Nach fast 450 Metern ist der Ausgang erreicht: gemischte Gefühle ... etwas überrascht, aber auch gestärkt, ausgerüstet mit neuer Klarheit. Noch einmal geht der Blick zurück. Ist es Zufall, dass im Zentrum von Ein- und Ausgang die steinernen Linien sich zum Kreuz ergänzen? Müssen wir vielleicht das Kreuz durchschreiten, um das Leben neu zu spüren? So bleiben Ermutigung und Fragen...

Das Labyrinth lädt ein für eigene Erfahrungen. Vielleicht seid ihr mal in der Nähe und macht einen Besuch in Malente... oder wir machen uns zu dritt auf den Weg... wer weiß.

Herzlichst euer Papa
R. K., Hamburg




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